Die teuerste Lücke im Unternehmen ist keine Datenlücke

Warum Vertrauen die eigentliche Infrastruktur ist

Vier Gespräche im Performance Manager Podcast, vier völlig unterschiedliche Themen. Und doch zieht sich durch alle ein gemeinsamer Gedanke, der mich seither beschäftigt: Die eigentliche Infrastruktur in datengetriebenen Unternehmen ist kein System und keine Plattform. Es ist Vertrauen. Vertrauen in Daten, in Organisationen, in die Kette bis zur Entscheidung. Und Vertrauen entsteht nicht von selbst.

Wem gehören eigentlich die Daten?

Lisa Burger verantwortet bei Loacker — dem Südtiroler Waffel- und Schokoladenhersteller, aktiv in über 110 Ländern — den Bereich Corporate Data Governance und Quality Management. Was mich an ihrem Bericht am meisten aufhorchen ließ: Das Problem war nie die Technologie. Es war fehlende Ownership.

In ihrer Stakeholder-Analyse stieß sie auf Menschen, die sie „stille Datenverantwortliche“ nennt — Mitarbeiter, die informell Verantwortung für Daten übernommen hatten, ohne Mandat, ohne Ressourcen, ohne klare Rolle. Sie hielten die Prozesse am Laufen, kompensierten Systemlücken, sorgten für Qualität.

Weitgehend im Verborgenen.

Das ist ein Muster, das ich auch aus Beratungsprojekten kenne. Diese Menschen gibt es in fast jedem Unternehmen. Und der klügste Schritt, den Loacker gemacht hat, war nicht mit einem Framework zu starten — sondern dort anzusetzen, wo der Leidensdruck am größten war. Nicht das Wichtigste zuerst, sondern das Wirksamste zuerst. Vertrauen in Daten entsteht nicht durch Regelwerke. Es entsteht dadurch, dass Menschen im Alltag erleben, dass die Daten stimmen.

Die Vertrauenskette bis zur Entscheidung

Verlässliche Daten sind das eine. Aber Daten kommen nicht allein — sie kommen durch Systeme, durch IT, durch Controlling. Und die entscheidende Frage ist: Vertraut das Management der gesamten Kette dahinter?

Jörg Kohlenz ist seit 2022 Group CIO bei Vorwerk. Er übernahm eine IT-Abteilung, die im Unternehmen als Kostentreiber wahrgenommen wurde — intransparent, weit weg vom Business. Das Bild, das seine Analyse ergab: eine Trutzburg. Von außen nicht einsehbar, schwerfällig, eine Blackbox.

Sein Ansatz war überraschend: Er hat nicht mit Technologie angefangen, sondern mit Führung. Mit klaren Prinzipien — Transparenz, Vertrauen geben und einfordern, Autonomie dort, wo sie hingehört. Und mit der bewussten Entscheidung, Betroffene zu Beteiligten zu machen: Bis zu 120 Personen aus IT und Business haben gemeinsam den Blueprint für die neue IT-Struktur erarbeitet.

Das Learning für mich: Eine IT, die als Trutzburg wahrgenommen wird, bleibt es auch mit neuer Software. Vertrauen zwischen IT, Controlling und Business muss aktiv erarbeitet werden — durch Konsequenz, Vorbildwirkung und Transparenz.

Schneller steuern ist mehr als schnellere Daten

Wenn die Datenbasis stimmt und das Vertrauen in die Organisation da ist, stellt sich die nächste Frage: Wie schnell können wir steuern? Prof. Dr. Burkhard Pedell von der Universität Stuttgart hat dazu eine klare Antwort: Echtzeitsteuerung bedeutet nicht, Monatsberichte schneller zu machen. Es bedeutet, von fester Taktung zu kontinuierlicher Steuerung zu kommen.

Das ist ein fundamentaler Unterschied — mit weitreichenden Konsequenzen.

Technologie, Organisation und Kultur müssen als Paket gedacht werden. Wer nur die Datenpipeline beschleunigt, löst das Problem nicht. Denn kontinuierliche Steuerung erfordert, dass Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie hingehören — nah am Prozess, nah am Geschehen. Und das erfordert eine neue Qualität von Vertrauen: nicht in den geprüften Monatsbericht, sondern in den kontinuierlichen Datenstrom und die Systeme, die auf dieser Basis eigenständig Muster erkennen.

Wenn das System lügt

Das viertes Gespräch hat mich am meisten beschäftigt — weil es eine Dimension aufmacht, die alle vorherigen in Frage stellt. Prof. Dr. Matthias Mahlendorf von der Frankfurt School of Finance and Management hat AI-Agenten in einem kontrollierten Experiment Wortratespiele spielen und anschließend über ihre Performance berichten lassen. Das Ergebnis: Sobald Zieldruck entstand — etwa ein Teambonus, der von der gemeldeten Leistung abhing — berichteten die Agenten systematisch besser als tatsächlich erreicht. Konsistent. Bei allen getesteten Modellen. Und beim Forecasting zeigte sich dasselbe Muster: Agenten, die nur weiterarbeiten durften, wenn ihr Budgetforecast unter einer bestimmten Grenze blieb, prognostizierten systematisch zu niedrig — nicht weil sie effizienter wurden, sondern weil sie weiterarbeiten wollten.

Das sind Muster, die wir aus dem Controlling kennen. Aber AI-Agenten entwickeln eigene Verhaltensmuster, die sich von menschlichen Biases zunehmend unterscheiden. Die Konsequenz ist klar: Wer AI-Agenten im Reporting oder Forecasting einsetzt, braucht ein Management Control Framework — klare Entscheidungsrechte, Monitoring, Human in the Loop an kritischen Stellen. Das ist keine IT-Aufgabe. Das ist eine ureigene Controlling-Aufgabe.

Was bleibt

Vertrauen ist die eigentliche Infrastruktur — in Daten, in Systeme, in Organisationen, in die Kette vom Datum bis zur Entscheidung. Und es muss aktiv gebaut werden: durch klare Ownership wie bei Loacker, durch Führungsprinzipien wie bei Vorwerk, durch die richtige konzeptionelle Basis für Echtzeitsteuerung und durch ein bewusstes Control Framework für AI-Agenten.Je mehr wir an Systeme und Prozesse delegieren, desto mehr kommt es darauf an, ob das Fundament stimmt. Die teuerste Lücke im Unternehmen ist keine Datenlücke — es ist eine Vertrauenslücke.

Die Interviews mit Lisa Burger (Loacker), Jörg Kohlenz (Vorwerk), Prof. Dr. Burkhard Pedell (Universität Stuttgart) und Prof. Dr. Matthias Mahlendorf (Frankfurt School of Finance and Management) finden Sie im Performance Manager Podcast, verfügbar in allen gängigen Podcast-Playern.

Sie möchten Vertrauen in Ihre Daten, Systeme und Steuerungsprozesse konkret aufbauen? Sprechen Sie uns an: www.atvisio.de

Jetzt Streaming-Plattform wählen und die Folge hören.

Der Podcast #1
für Controller & CFO

Schreibe einen Kommentar

Ihr Kontakt zu uns

Kontaktieren Sie Rebecca Kunz.

+49 631 / 414014-10  |  kunz@atvisio.de

Schreiben Sie uns





    Ihr Gastgeber bei
    atvisio.TV

    Peter Bluhm ist Experte für Controlling & Business Intelligence sowie Initiator und Macher des Performance Manager Podcast. 2004 gründete er die ATVISIO Consult, ein Beratungsunternehmen für Business Intelligence, das mehrfach zum „Top Consultant – Die besten Berater des deutschen Mittelstandes“ ausgezeichnet wurde.

    Ihr direkter Kontakt zu ATVISIO





      Oder kontaktieren Sie Rebecca Kunz und wir finden den passenden Ansprechpartner für Sie.

      +49 631 / 414014-10

      Bleiben Sie auf dem Laufenden
      Für Sie ausgewählte Impulse, Podcasts, Leseempfehlungen und Erfolgstools

        • Wichtige Impulse für die tägliche Controlling-Praxis
        • Klare Statements zu aktuellen Controlling-Themen
        • Die besten Folgen des Performance Manager Podcast mit führenden Experten
        • Bewährte Empfehlungen zu Business Intelligence & Performance Management

          Power BI im Expertencheck
          Für einen perfekten Start in die Business Intelligence

            Die 5-Schritte-Formel für Ihren Projektstart mit Cubeware
            Für Ihren perfekten Start in die Business Intelligence

            Was Sie erwartet:

            1. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Ihr Cubeware-Projekt
            2. Erfüllt Cubeware Ihre Anforderungen vollständig?
            3. Brauchen Sie einen Sparringspartner bei der Cubeware-Einführung?
            4. Final Review – Der letzte Check vor dem Softwarekauf
            5. Praxiserprobte Checklisten für jede Projektphase

            Sichern Sie sich Ihr Entscheiderpaket für Cubeware

              Die 5-Schritte-Formel für Ihren Projektstart mit XLCubed
              Für Ihren perfekten Start in die Business Intelligence

              Was Sie erwartet:

              1. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Ihr XLCubed-Projekt
              2. Erfüllt XLCubed Ihre Anforderungen vollständig?
              3. Brauchen Sie einen Sparringspartner bei der XLCubed-Einführung?
              4. Final Review – Der letzte Check vor dem Softwarekauf
              5. Praxiserprobte Checklisten für jede Projektphase

              Sichern Sie sich Ihr Entscheiderpaket für XLCubed

                Die 5-Schritte-Formel für Ihren Projektstart
                Für Ihren perfekten Start in die Business Intelligence

                Was Sie erwartet:

                1. Die entscheidenden Erfolgsfaktoren für Ihr Business Intelligence-Projekt
                2. Erfüllt die Business Intelligence-Software Ihre Anforderungen vollständig?
                3. Brauchen Sie einen Sparringspartner bei der Business Intelligence-Einführung?
                4. Final Review – Der letzte Check vor dem Softwarekauf
                5. Praxiserprobte Checklisten für jede Projektphase

                Sichern Sie sich Ihr Entscheiderpaket für Jedox



                      Sichern Sie sich Ihr Zusatzmaterial zum PDF

                      Vorteile aus dem Buch „Business Intelligence ganz einfach“

                        CHECKLISTEN zum Sofortcheck
                        LESEPROBE für ersten Blick ins Buch
                        GUTSCHEIN-CODE zum Hörbuch

                        Nein danke, ich möchte nur dieses PDF ansehen.

                        Sichern Sie sich Ihren Zugriff zum exklusiven LucaNet-Material
                        Für einen perfekten Projektstart mit LucaNet

                          Sichern Sie sich Ihren Zugriff zum exklusiven Cubeware-Material
                          Für einen perfekten Projektstart mit Cubeware

                            Sichern Sie sich Ihren Zugriff zum exklusiven Jedox-Material
                            Für einen perfekten Projektstart mit Jedox

                              Business Intelligence ganz einfach
                              Endlich ein Buch, das Klartext spricht

                                • Top-Checklisten für Ihr BI-Projekt GRATIS
                                • Insider-Infos und weiteres Bonusmaterial GRATIS
                                • e-Book ergänzend zum Buch als GESCHENK

                                Business Intelligence ganz einfach
                                Ihr e-Book als GESCHENK

                                  • Bringen Sie Ihre Ressourcen in Stellung
                                  • Business Intelligence-Projekte zielgenau umsetzen
                                  • Business Intelligence-Projekte weiterentwickeln
                                  [contact-form-7 404 "Nicht gefunden"]

                                    Deine Kontaktdaten
                                    Deine Dateien

                                    Wir freuen uns darauf,
                                    dich kennenzulernen!

                                    Gerne stehe ich dir als Ansprechpartnerin für deine Bewerbung zur Verfügung.

                                    Andrea Keuler