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Der Controller zwischen Zahlen und Intuition

„Projektplanung und Businesspläne sind nur ein simuliertes Abbild einer angenommenen Wirklichkeit. Ich habe noch nie Pläne gesehen, die so gekommen sind, wie man es mal geplant hat.“ Das sagte kürzlich Boris Thomas zu mir – der Chef von Lattoflex ist überzeugter Bauchentscheider. Bei der Unternehmensentwicklung gibt er seiner Intuition immer das letzte Wort.

Einem Controller stehen bei solchen Worten natürlich die Haare zu Berge. Typisch Unternehmer, wird er denken. Erst sich auf seinen sogenannten unternehmerischen Spürsinn verlassen und sich dann wundern, wenn die Sache schief geht. Aber Lattoflex ist erfolgreich und überrascht immer wieder mit seinen Innovationen – mit den Holzlatten von einst haben modernste Hightech-Schlafsysteme nichts mehr gemeinsam.

Hier prallen tatsächlich Welten aufeinander. Der Controller deutet auf seine Zahlen, die für ihn eine unmissverständliche, logische Sprache sprechen, wohin es mit dem Unternehmen gehen soll. Der Unternehmer weist dagegen auf seine Nase, mit der er erschnuppert, was in der Luft liegt.

Vertrauen Sie lieber auf Fakten oder auf Visionen?

Wir leben in Zeiten von Change-Prozessen, Digitalisierung und disruptiven Geschäftsmodellen – und ich beobachte, wie der Graben zwischen Intuition und Information immer breiter wird. Die Verfechter soliden, „konservativen“ Wirtschaftens auf Grundlage verlässlicher Zahlen wollen ihr Unternehmen durch sichere Gewässer fahren. Während die Visionäre darauf pochen, dass die Zukunft den Mutigen gehört und der Rest dem Untergang geweiht ist. Amazon, Apple und die Start-up-Szene machen vor, wie es auch anders geht. Dinosaurier wie Agfa, Kaufhof oder Toys “R” Us haben die Zeichen der Zeit verschlafen und mussten den Preis dafür bezahlen.

Sagen wir es, wie es ist: Recht haben natürlich beide, die Zahlenfüchse und die Bauchentscheider. Aber wie lässt sich der Graben überwinden? Und was kann das Controlling dafür tun?

Warum auch Genies auf Controller hören sollten

Ich möchte folgende These wagen: Analyse und Planung werden immer entscheidender dazu beitragen, dass sich Bauchentscheidungen noch viel, viel öfter in Erfolge verwandeln.

Fragt sich nur: Wie soll das funktionieren? Ich stimme dem zu, was Prof. Dr. Utz Schäffer von der WHU – Otto Beisheim School of Management im Performance Manager Podcast gesagt hat: Controller brauchen ein neues Mindset. Aber dieses neue Mindset hat eben nichts mehr zu tun mit dem traditionellen Rollenverständnis der Controller. Das klassische Mindset war geprägt von effizientem und profitablem Wachstum, stetigen Einsparungen sowie Produktinnovationen aufgrund solider Bedarfsanalysen. „Spielgeld für Spinnereien“ war hier nicht wirklich vorgesehen.

Ich dagegen bin überzeugt: Viele revolutionäre Produkte und Geschäftsmodelle hätte es nie gegeben, hätten ihre Erfinder nur auf die Marktforschung oder auf Monatsberichte gehört. Das Controlling muss diese neue Denke zulassen. Dennoch bleibt eine ausgezeichnete, belastbare Datenbasis die Voraussetzung für kreative und mutige Entscheidungen.

Das bedeutet: Beide Seiten müssen sich auf das Spiel der Kräfte einlassen.

Solange sich alle Beteiligten einig sind, ist eine Entscheidung einfach. Weisen dagegen die Zahlen in eine eindeutige Richtung, aber die innere Stimme sagt etwas anderes, müssen vielleicht noch einmal die Fakten hinterfragt werden. Anders ist es, wenn das Unternehmen komplettes Neuland betreten will. Dann existieren wahrscheinlich noch keine verlässlichen Daten aus dem Unternehmen. Aber vielleicht aus anderen Quellen – Stichwort Big Data und Social Media.

Eines ist sicher: Mut zur Intuition braucht in Zukunft nicht nur der Unternehmer. Auch Zahlenmenschen müssen diesen sechsten Sinn entwickeln. „Es ist immens wichtig für ein mittelständisches Unternehmen, ein starkes Controlling zu haben“, sagt Boris Thomas. Gnadenlos ehrlich soll es sein – ein Sparringspartner, der ihm immer wieder seine Grenzen aufzeigt. Aber Thomas sagt auch: „Rein zahlenbasiert kann ich die wirklich großen Dinge nicht bekommen, sondern da muss ich irgendwann einmal ein Stück zurücktreten, eine Vision entwickeln, ganz neu denken.“

Intuition und Information – zwei Seiten einer Medaille. Für Controller ist es an der Zeit, sich in diesem Spannungsfeld neu zu erfinden.

Exzellente Performance wünscht

Peter Bluhm

 





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